Eine Pattsituationsklausel dient als Ausweg aus einer festgefahrenen Situation zwischen Gesellschaftern. Kann keine Einigung über eine wichtige Entscheidung erzielt werden und blockiert dies die gesamte Gesellschaft, legt ein guter Gesellschaftervertrag fest, wie die Situation gelöst werden soll: durch Mediation, eine Stichentscheidung, einen unabhängigen Entscheidungsträger oder – falls alle anderen Maßnahmen scheitern – durch den Auskauf eines Gesellschafters oder durch den Auskauf eines Gesellschafters.
Bram und Joris hatten die Nase voll. Zwei Wochen lang herrschte Funkstille am Telefon, ob sie in neue Maschinen investieren sollten oder nicht. Drei Monate lang gab es keine Beschlüsse in der Hauptversammlung. Ein Mediator half – ehrlich gesagt – hauptsächlich, weil er 200 € die Stunde kostete und niemand so viel Geld in einem leeren Sitzungssaal ausgeben wollte. Seitdem wissen sie: Eine Pattsituation ist keine Theorie, sondern eine schlaflose Nacht. In diesem Artikel: Was eine Pattsituation ist, welche Mechanismen funktionieren und welche Klausel Sie benötigen.
Die kurze Antwort: Was ist eine Pattsituation?
Eine Pattsituation ist ein Stillstand zwischen Aktionären, der die Durchführung notwendiger Entscheidungen verhindert. Klassische Beispiele:
- Eine 50/50-Beteiligungsstruktur, bei der beide Parteien gegeneinander stimmen.
- Eine Liste von „vorbehaltenen Angelegenheiten“, die Einstimmigkeit erfordern, und ein Aktionär, der dies blockiert.
- Ein Vorstand, der in einer zentralen Frage gespalten ist und keine Mehrheit finden kann.
Das Gesetz bietet keine Lösung für eine Pattsituation. Die Hauptversammlung ist nicht verpflichtet, sich damit zu befassen; auch der Vorstand kann keine Entscheidung treffen. Die Folge: Die BV steht still, mitunter monate- oder jahrelang. Ein guter Gesellschaftervertrag verhindert dies – oder, falls es doch dazu kommt, verkürzt die Dauer.
Die gängigen Deadlock-Mechanismen
Fünf Mechanismen, die in einer Aktionärsvereinbarung verwendet werden, geordnet von weich (nur Konsultation) bis hart (erzwungener Austritt):
- Abkühlung + Eskalation. Zuerst eine formelle Anfrage zur Konsultation, dann Eskalation an beispielsweise die Holdinggesellschaften beider Aktionäre.
- Mediation. Ein unabhängiger Mediator hilft Ihnen, diesen Konflikt zu lösen. Oft ein obligatorischer erster Schritt.
- Entscheidende Stimme. Ein unabhängiger Vorsitzender oder ein unabhängiges Vorstandsmitglied hat die entscheidende Stimme. Funktioniert gut, sofern ausreichend Vertrauen in die Neutralität besteht.
- Verbindliche Beratung oder Schiedsverfahren. Ein unabhängiger Dritter (Anwalt, eingetragener Sachverständiger oder Schiedsrichter) trifft die Entscheidung für Sie.
- Erzwungener Ausstieg. Einer der Gesellschafter verkauft, oder die BV wird aufgelöst. Die wertvollen Vermögenswerte für den Fall, dass die übrigen scheitern.
Die meisten guten Pattsituationsklauseln kombinieren diese in einem stufenweisen Ansatz: zuerst sanfte (Konsultation, Mediation), dann härtere (verbindliche Empfehlung) und schließlich der Ausstieg.
Die drei Ausstiegsmechanismen: Russisches Roulette, Texas-Schießerei und Holländische Auktion
Die interessante Namensgebung. Drei Mechanismen, um eine Pattsituation durch den Aufkauf eines Aktionärs zu lösen:
- Russisches Roulette. Aktionär A bietet seine Aktien B zum Preis X an. B hat die Wahl: Entweder kauft er A seine Aktien für X ab, oder er verkauft seine eigenen Aktien an A für X. Der Bieter muss daher einen fairen Preis nennen, sonst wettet er falsch.
- Texas-Showdown. Beide Aktionäre geben ein verdecktes Gebot ab (in einem versiegelten Umschlag). Der Höchstbietende kauft den anderen zum eigenen Gebot aus. Risiko: Wer höher bietet, zahlt auch mehr.
- Holländische Auktion. Beide Aktionäre legen einen Mindestpreis fest, zu dem sie ihre Anteile verkaufen würden. Der Aktionär mit dem höchsten Mindestpreis kauft den anderen zum Durchschnitt beider Gebote aus. Funktioniert in einer Variante, in der beide Parteien rational kaufen wollen.
Welche Variante passt am besten? Russisches Roulette eignet sich gut, wenn beide Aktionäre eine ähnliche finanzielle Lage haben. Texas Shootout erfordert zwei Parteien, die rational bewerten. Die niederländische Auktion ist weniger feindselig, funktioniert aber weniger gut bei großen Unterschieden in der Kapitalausstattung. In der Praxis ist Russisches Roulette die gebräuchlichste Variante.
Welcher Mechanismus eignet sich für welche private Gesellschaft mit beschränkter Haftung?
Ein paar Faustregeln:
- 50/50 BV mit operativen Partnern: Mediation + verbindliches Schiedsverfahren + russisches Roulette als letztes Mittel. Diese Kombination stellt sicher, dass Sie nicht sofort mit einem erzwungenen Ausstieg konfrontiert werden, dieser aber definitiv möglich ist.
- Private Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit mehr als zwei Gesellschaftern: Mediation + verbindliche Beratung. Russisches Roulette funktioniert schlecht mit drei Parteien.
- Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit operativen und nicht-operativen Gesellschaftern: Stimmrecht durch einen unabhängigen Vorsitzenden, optional mit Schiedsgerichtsbarkeit als Alternative. Besonders geeignet, wenn der Geschäftsbetrieb nicht eingestellt werden kann.
- Private Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit externen Investoren: In der Regel wird eine obligatorische Mediation und ein Schiedsverfahren bevorzugt; ein erzwungener Ausstieg erfolgt nur im Falle einer echten Pattsituation.
Die Entscheidung hängt stark von den konkreten Umständen und der finanziellen Tragfähigkeit der Parteien ab. Russisches Roulette in einer GmbH zu spielen, in der eine Partei deutlich mehr Kapital hält, ist nicht fair.
Was schreibt das Gesetz im Falle einer Pattsituation vor?
Nicht viel. Das Gesetz sieht zwar einige Notfallmaßnahmen vor – beispielsweise den Streitbeilegungsmechanismus in Buch 2 des niederländischenmit Verfahren zum Austritt (Art. 2:343 BW) und Ausschluss (Art. 2:336 BW). Diese Verfahren sind jedoch langwierig, kostspielig und enden vor Gericht (der Unternehmenskammer). Keine erfreuliche Aussicht für diejenigen, die ihr Geschäft weiterführen möchten.
Der gesetzliche Streitbeilegungsmechanismus ist ein Sicherheitsnetz, keine Lösung. Eine gute Pattsituationsklausel in Ihrem Gesellschaftervertrag verhindert, dass Sie in diese Lage geraten.
Was gehört in eine Deadlock-Klausel?
Konkret handelt es sich um vier Elemente:
- Definition eines Pattzustands. Wann tritt ein Pattzustand auf? Genauer gesagt: Welche Entscheidungen lösen die Pattsituation aus und nach wie vielen fehlgeschlagenen Abstimmungsversuchen?
- Phasenweiser Prozess. Welcher Schritt folgt auf welchen? Fristen einplanen, sonst kommt es zu Verzögerungen.
- Letzter Mechanismus. Was geschieht, wenn alle Schritte abgeschlossen sind und dennoch keine Einigung erzielt wurde? Russisches Roulette? Zwangsauflösung? Gerichtliche Streitbeilegung?
- Vorlaufzeit. Der gesamte Prozess darf nicht endlos dauern. Üblicherweise beträgt die Bearbeitungszeit maximal drei bis sechs Monate.
Ehrliche Empfehlung
Eine Pattsituationsklausel gehört zu jenen Themen, bei denen Fehler teurer sind als gar keine. Ein rechtlich fragwürdiger Mechanismus vermittelt ein trügerisches Gefühl der Sicherheit: In einer echten Pattsituation kommt man damit nicht durch. Für eine solide Pattsituationsklausel – und für die dazugehörige Aktionärsvereinbarung – ist ein Anwalt mit Erfahrung im Gesellschaftsrecht die beste Investition.
Informieren Sie sich über die Möglichkeiten, Ihren Gesellschaftervertrag erstellen oder prüfen zu lassen. Für Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) mit zwei gleichberechtigten Gesellschaftern ist eine gute Pattsituationsklausel besonders wichtig – siehe auch Gesellschaftervertrag für 50/50-Partnerschaften.
Häufig gestellte Fragen
Eine Pattsituation ist ein Stillstand zwischen Gesellschaftern, der die Durchführung notwendiger Entscheidungen in einer GmbH verhindert. Ein klassisches Beispiel ist eine 50/50-Gesellschafterstruktur, bei der beide Parteien gegeneinander stimmen, oder eine Liste von „zurückzuhaltenden Angelegenheiten“, bei der ein Gesellschafter die Entscheidungsfindung fortwährend blockiert.
Eine Pattsituationsklausel bietet ein strukturiertes Verfahren zur Überwindung einer festgefahrenen Situation. Typischerweise erfolgt dies in mehreren Phasen: von Beratung und Mediation über verbindliche Empfehlungen bis hin zum erzwungenen Austritt, falls alle anderen Versuche scheitern. Ohne eine solche Klausel könnte die BV im Konfliktfall monate- oder jahrelang stillstehen.
Ein Ausstiegsmechanismus, bei dem ein Aktionär einen Preis für seine Anteile festlegt und der andere Aktionär wählen kann: entweder den ersten Aktionär zu diesem Preis auszuzahlen oder seine Anteile selbst zum gleichen Preis an den ersten Aktionär zu verkaufen. Funktioniert besonders gut bei zwei Aktionären mit vergleichbarer finanzieller Lage.
Ein Ausstiegsmechanismus, bei dem beide Aktionäre ein verdecktes Gebot in einem versiegelten Umschlag abgeben. Der Höchstbietende kauft den anderen zu seinem eigenen Gebot aus. Er setzt zwei Parteien voraus, die rational bewerten, und kann bei unterschiedlichen Finanzlagen riskant sein.
Das hängt von der Anzahl der Gesellschafter, ihrem Anteilsverhältnis und ihrer Position ab. Eine 50/50-Gesellschaft nutzt oft eine Kombination aus Mediation, verbindlicher Beratung und riskanten Verfahren. Eine Gesellschaft mit externen Investoren tendiert eher zu einem Schiedsverfahren. Es gibt keine Standardlösung; lassen Sie sich von einem Anwalt beraten, um den Mechanismus an Ihre Situation anzupassen.
Dann greift man auf den gesetzlichen Streitbeilegungsmechanismus des zweiten Buches des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches zurück, mit einem Austritts- oder Ausschlussverfahren über die Unternehmenskammer. Diese Verfahren sind langwierig, teuer und enden dennoch vor Gericht. Hier erkennen viele Unternehmer, wie wertvoll ein guter Gesellschaftervertrag ist.
Das regeln Sie selbst. Üblicherweise gilt Folgendes: Bei einer bestimmten Liste von Entscheidungen, bei denen die erforderliche Mehrheit innerhalb einer vereinbarten Anzahl von Versuchen oder eines bestimmten Zeitraums nicht erreicht wird. Seien Sie präzise – eine vage Definition („schwerer Konflikt“) führt gerade dann zu weiteren Diskussionen, wenn Sie diese am wenigsten gebrauchen können.