MKB Juristen entwirft individuelle Rechtsdokumente
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Factoring ist der Verkauf offener Rechnungen an ein Factoring-Unternehmen. Sie erhalten sofort 80–90 % des Rechnungsbetrags. Das Factoring-Unternehmen zieht die Forderung vom Kunden ein und überweist Ihnen nach Zahlungseingang den Restbetrag abzüglich einer Factoringgebühr (üblicherweise 1–3 % pro Rechnung). Mit Regress: Sie tragen das Ausfallrisiko. Ohne Regress: Das Factoring-Unternehmen trägt das Risiko (teurer). Für KMU mit säumigen Zahlern: Sofortige Liquiditätsbeschleunigung. Im Folgenden erfahren Sie, wie es funktioniert, welche Kosten entstehen und wann sich Factoring lohnt.
Die kurze Antwort
- Was: Rechnungen an ein Factoring-Unternehmen verkaufen und sofort Bargeld erhalten.
- Vorauszahlung: 80-90% des Rechnungsbetrags sind sofort fällig.
- Kosten: 1-3 % des Rechnungsbetrags – abhängig von Regressansprüchen und Auftragsvolumen.
- Varianten: mit Regress (Sie tragen das Risiko), ohne Regress (Risikofaktor, teurer).
- Für wen: B2B-KMU mit langsamen Zahlungskunden (45-90 Tage Zahlungsziel).
Wie funktioniert Faktorisierung?
- Sie senden die Rechnung an Ihren Kunden – eine Kopie geht an den Factor.
- Factor zahlt Ihnen 80-90% des Rechnungsbetrags sofort aus.
- Der Kunde sieht den Hinweis auf Factoring auf der Rechnung und zahlt an den Factor.
- Factor kassiert die Kundenzahlung (bei offenen Verkäufen) bzw. zieht sie ein (bei stillen Verkäufen).
- Nach Erhalt der Ware zahlt Ihnen der Faktor den Restbetrag abzüglich der Faktorgebühr aus.
- Bei Zahlungsverzug des Kunden: Mit Regressanspruch → Sie zahlen den Vorschuss zurück. Ohne Regressanspruch → der Faktor trägt den Verlust.
Mit oder ohne Rechtsmittel?
Mit Rückgriff (Rückgriffsfaktorisierung)
Günstiger (1–2 % pro Rechnung). Im Falle eines Zahlungsausfalls des Kunden: Sie zahlen den Vorschuss an den Factor zurück. Im Wesentlichen handelt es sich um Betriebsmittelfinanzierung, wobei der Factor als temporäre Überbrückung fungiert.
Ohne Regress (Non-Recourse-Factoring)
Teurer (2–3 % pro Rechnung, manchmal bis zu 4 %). Der Factor trägt das Ausfallrisiko – das Geld wird „verkauft“. Im Falle eines Zahlungsausfalls trägt der Factor den Verlust, Sie bleiben unberührt.
Dafür: Sorgenfreiheit, absolute Sicherheit. Dagegen: Der Faktor prüft Kunden und kann Rechnungen ablehnen.
Offenes versus stilles Faktorisieren
- Offenes Factoring: Der Name des Factors ist auf der Rechnung sichtbar, der Kunde zahlt an den Factor. Am häufigsten angewendet.
- Stilles Factoring: Der Kunde bekommt nichts davon mit und zahlt an Sie (auf ein Konto, von dem die Gelder an den Factor weitergeleitet werden). Diskretionärer, aber teurer.
Für B2C-Unternehmen oder KMU, die Diskretion benötigen, ist oft stilles Factoring oder Forderungsfinanzierung (siehe Forderungsfinanzierung ) die bevorzugte Option
Factoringkosten
- Factoringgebühr pro Rechnung: 1-3% des Rechnungsbetrags (günstiger mit Rückgriff).
- Zinsen auf den Vorschuss: 5-10% pro Jahr (für die Tage, an denen der Vorschuss aussteht).
- Einrichtungskosten:einmalig 500-2.500 €.
- Mindestrechnungsvolumen: üblicherweise 300.000 bis 1.000.000 € pro Jahr.
- Vertragslaufzeit: Mindestens 1-3 Jahre, oft mit Kündigungsfrist.
Beispiel: Rechnung über 50.000 €, Zahlungsziel 60 Tage, mit Rückgriff auf 1,5 % Factoringgebühr + 7 % Zinsen über 60 Tage:
- Anzahlung 85% = 42.500 € sofort.
- Faktorgebühr: 750 €.
- Zinsen: € 42.500 × 7% × 60/365 = € 489.
- Gesamtkosten: 1.239 € bei einer Rechnung über 50.000 € = 2,5 % effektiver Jahreszins.
Für und Wider
Vorteile
- Schnelle Auszahlung – manchmal innerhalb von 24 Stunden nach Rechnungsstellung.
- Keine Sicherheiten erforderlich (Factor verfügt über eine Rechnung).
- Ohne Regressmöglichkeit: Schuldnerrisiko wird übertragen.
- Factor übernimmt das Inkasso – weniger Arbeit für Sie.
- Flexiblere Genehmigungsmöglichkeit als bei Bankfinanzierungen.
Nachteile
- Relativ teuer – typischerweise nur 8-12 % wirksam.
- Kunden sehen den Namen des Faktors (Signal für Liquiditätsengpässe).
- Langfristige Verträge mit Mindestabnahmemengen.
- Streitige Rechnungen werden oft ausgeschlossen.
- Ist man einmal in der Faktorisierung, ist es schwierig, wieder herauszukommen (Beziehung zum Faktor).
Wann wendet man Faktorisierung an?
- Akuter Liquiditätsengpass und keine Zeit für den Bankprozess.
- Rasant wachsende Umsätze bei gleichzeitig steigendem Bedarf an Betriebskapital.
- Lange Zahlungsziele (60-90 Tage) für Großkunden.
- Unzureichende Bankfinanzierung verfügbar.
- Wunsch nach Übertragung des Schuldnerrisikos (ohne Regressanspruch).
Karims Überlegung
Karims ICT-Betriebsgesellschaft erwägt Factoring:
- Vorteile: schnelle Liquidität (4 Tage statt 60), Verwaltung der Debitorenkonten entfällt.
- Nachteile: Nennung des Namens auf der Rechnung (manche Kunden sind empfindlich), Gesamtkosten 9 % effektiver Anteil.
Karim entscheidet sich für Debitorenfinanzierung statt Factoring: diskreter, günstiger (effektiv 7 %), gleiche Vorauszahlung. Für andere Unternehmen mit anderen Prioritäten kann Factoring die bessere Wahl sein.
Ehrliche Empfehlung
Factoring eignet sich für KMU mit Liquiditätsengpässen und langen Zahlungszielen – insbesondere, wenn die Übertragung des Debitorenrisikos (ohne Regress) gewünscht ist. Für B2B-Unternehmen mit diskreten Kundenbeziehungen oder dem Bedarf an flexibler Struktur ist Debitorenfinanzierung oft die bessere Wahl. Lesen Sie die Verträge sorgfältig: Mindestvolumen, Kündigungsfrist und welche Rechnungen akzeptiert werden. Vergleichen Sie mindestens drei Factoring-Anbieter hinsichtlich der Preisunterschiede.
Weitere Themen: Forderungsfinanzierung, Betriebsmittelfinanzierung und Beauftragung eines Inkassobüros.
Häufig gestellte Fragen
Verkauf offener Rechnungen an ein Factoring-Unternehmen. Sie erhalten sofort 80–90 % des Rechnungsbetrags; das Factoring-Unternehmen zieht die Forderung beim Kunden ein, und nach Zahlungseingang erhalten Sie den Restbetrag abzüglich der Factoringgebühr (1–3 %). Schnelle Liquiditätsverbesserung für KMU.
Mit Regress: günstiger (1–2 %), Sie tragen das Ausfallrisiko. Ohne Regress: teurer (2–3 %), das Factoring-Unternehmen trägt das Risiko. Für maximale Sicherheit: ohne Regress. Für die günstigste Option: mit Regress.
Factoringgebühr 1–3 % pro Rechnung, Zinsen 5–10 % auf Vorauszahlung (täglich), Einrichtungskosten 500–2.500 €. Effektiver Jahreszins typischerweise 8–12 %. Beispiel: Für eine Rechnung über 50.000 € mit einem Zahlungsziel von 60 Tagen: typische Kosten von 1.000–1.500 €.
Offen: Der Name des Factoring-Unternehmens ist auf der Rechnung sichtbar, der Kunde zahlt direkt an den Factor. Still: Der Kunde sieht nichts und zahlt über ein Treuhandkonto. Die offene Variante ist üblicher und günstiger, die stille Variante diskreter, aber teurer.
B2B-KMU mit langen Zahlungszielen (45–90 Tage), steigendem Umsatz und dringendem Liquiditätsbedarf. Mindestrechnungsvolumen üblicherweise 300.000–1.000.000 €/Jahr. Nicht geeignet für B2C-Unternehmen oder Kleinstunternehmen.
Relativ teuer (8-12% effektiv), Kunden sehen den Namen des Factors (Signal für Liquiditätsengpässe), lange Verträge mit Mindestvolumen, strittige Rechnungen werden oft ausgeschlossen, und es ist schwierig, das Factoring zu beenden.
Factoring: Schnelle Liquidität, transparenter Factor, kein Regressrisiko. Forderungsfinanzierung: diskreter, günstiger, Sie bleiben Inhaber der Rechnungen. Für B2B-Unternehmen mit guten Kundenbeziehungen ist Forderungsfinanzierung oft die bevorzugte Option.