MKB Juristen entwirft individuelle Rechtsdokumente
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Eine Schiedsklausel legt fest, dass ein Streitfall nicht von einem ordentlichen Gericht, sondern von einem oder mehreren unabhängigen Schiedsrichtern entschieden wird. Für Unternehmer kann dies attraktiv sein, wenn sie Streitigkeiten schnell und mit fachlicher Expertise beilegen möchten, beispielsweise im Bau- oder Ingenieurwesen. Allerdings kann ein Schiedsverfahren teurer sein, und in Verträgen mit Verbrauchern ist eine solche Klausel seit 2015 besonders anfällig für Anfechtungen. Ob sich eine Schiedsklausel für Ihr Dokument lohnt, hängt daher von der Art des Vertrags, Ihrem Vertragspartner und dem Streitwert ab.
Was ist eine Schiedsklausel?
Eine Schiedsklausel ist eine Bestimmung in einem Vertrag oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, durch die die Parteien vereinbaren, dass Streitigkeiten einem Schiedsgericht und nicht einem staatlichen Gericht vorgelegt werden. Die Schiedsrichter sind häufig Experten aus der jeweiligen Branche, die über das technische Wissen verfügen, um einen Streitfall inhaltlich zu beurteilen.
Schiedsverfahren sind im Baugewerbe üblich und in verschiedenen Standardverträgen und branchenspezifischen Geschäftsbedingungen verankert. Ein Schiedsspruch ist grundsätzlich bindend: Die Parteien wenden sich daher bewusst von der Streitbeilegung außerhalb der ordentlichen Gerichte ab. Dies unterscheidet die Schiedsgerichtsbarkeit beispielsweise von der Mediation, bei der die Parteien versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden, ohne dass ein Dritter eine bindende Entscheidung trifft.
Schiedsklausel versus Streitbeilegungsklausel und Gerichtsstandsvereinbarung
Eine Schiedsklausel wird manchmal mit anderen Streitbeilegungsbestimmungen verwechselt. Eine klare Unterscheidung ist daher wichtig:
- Schiedsklausel: Der Streitfall wird durch Schiedsrichter und nicht durch ein staatliches Gericht entschieden.
- Gerichtsstand: Die Parteien entscheiden sich für den ordentlichen Gerichtshof, einigen sich aber darauf, welches Gericht zuständig ist.
- Verbindliche Beratungsklausel: Ein Dritter erteilt eine verbindliche Beratung, das Verfahren ist jedoch informeller als ein formelles Schiedsverfahren.
- Mediationsklausel: Die Parteien vereinbaren, zunächst ein Mediationsverfahren zu versuchen, bevor sie ein Gerichtsverfahren anstrengen.
Welche Form angemessen ist, hängt von Ihrer Branche, Ihrem Vertragspartner und der Art der potenziellen Konflikte ab. Häufig werden solche Vereinbarungen in einer Streitbeilegungsklausel oder einer Schlussbestimmung des Vertrags festgelegt.
Vor- und Nachteile einer Schiedsklausel
Ob eine Schiedsklausel sinnvoll ist, hängt von einer Abwägung der Vor- und Nachteile ab. Für Unternehmer spielen Fachkompetenz, Schnelligkeit und Kosten eine besonders wichtige Rolle.
Vorteile
- Fachliche Expertise: Schiedsrichter sind oft Branchenspezialisten, was sich bei technisch komplexen Streitigkeiten als sehr nützlich erweist.
- Schnellere Bearbeitungszeiten: Durch ein Schiedsverfahren kann beispielsweise verhindert werden, dass Bauarbeiten unnötigerweise unterbrochen werden.
- Vertraulichkeit: Schiedsverfahren sind im Allgemeinen nicht öffentlich, anders als Verfahren vor einem ordentlichen Gericht.
- Wahl der Schiedsrichter: Die Parteien haben oft Einfluss darauf, wer über ihren Streitfall entscheidet, was für Klarheit hinsichtlich der erforderlichen Fachkompetenz sorgen kann.
Nachteile
- Höhere Kosten: Die Gebühren der Schiedsrichter und die Prozesskosten können deutlich höher ausfallen als vor einem staatlichen Gericht, wo man grundsätzlich nur die Gerichtskosten zahlt.
- Begrenzter Rechtsschutz: Die Möglichkeiten, einen Schiedsspruch anzufechten, sind eingeschränkter als bei der Berufung gegen eine gerichtliche Entscheidung.
- Angreifbar gegenüber Verbrauchern: Im Verhältnis zu Verbrauchern kann eine Schiedsklausel leichter als unfair angesehen werden und folglich scheitern.
Die Bewertung sollte daher nicht pauschal, sondern individuell für jede Vertragsart erfolgen. Was für ein großes B2B-Bauprojekt geeignet ist, ist keinesfalls immer auch für einen Vertrag mit einem Privatkunden angemessen.
Schiedsklausel und Verbraucher: Achten Sie auf die Anfechtbarkeit
Enthält ein Vertrag mit einem Verbraucher eine Schiedsklausel, ist besondere Vorsicht geboten. Gemäß der europäischen Richtlinie 93/13/EWG über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen prüft das Gericht diese Klausel eingehend. Beschränkt die Klausel den Rechtsschutz des Verbrauchers unangemessen, kann sie als unzumutbar belastend und somit anfechtbar .
Einmonatige Auswahlfrist (Sperrliste)
Seit der Modernisierung des Schiedsrechts (in Kraft seit dem 1. Januar 2015) ist die Schiedsklausel gegen Verbraucher auf der sogenannten schwarzen Liste der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (Artikel 6:236 Abs. n des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches) aufgeführt. Dies hat einen praktischen Grund: Eine Schiedsklausel gegen einen Verbraucher ist grundsätzlich anfechtbar, es sei denn, dem Verbraucher wird nach schriftlicher Anfechtung der Klausel mindestens ein Monat Zeit eingeräumt, stattdessen ein ordentliches Gericht zu wählen.
Wenn Sie die Schlichtung für Verbraucher nachhaltig gestalten möchten, sollten Sie diese Option explizit vorsehen. Im Geschäftsverkehr (B2B) gilt diese Regel nicht: Von Unternehmern wird erwartet, dass sie die Folgen einer Schlichtungsklausel vorhersehen können.
Was sagt die Justiz?
Es ist wichtig festzuhalten, dass eine Schiedsklausel nicht automatisch unangemessen belastend ist. In seinem Urteil vom 21. September 2012 (Van Marrum/Wolf) entschied der Oberste Gerichtshof, dass eine Schiedsklausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht per se unangemessen belastend ist, sondern anhand des offenen Maßstabs von Artikel 6:233 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches unter Berücksichtigung der europäischen Richtlinie beurteilt werden muss. Darüber hinaus muss das Gericht stichhaltig begründen, warum eine Klausel im Einzelfall unangemessen belastend ist oder nicht. Dabei sind unter anderem Art und Inhalt der Vereinbarung, die Art und Weise ihrer Festlegung sowie die beiderseits bekannten Interessen der Parteien zu berücksichtigen. Die deutlich stärkere finanzielle Lage einer Partei gegenüber der anderen kann bei dieser Beurteilung ein Faktor sein.
Eine leicht anfechtbare Schiedsklausel vermittelt ein trügerisches Sicherheitsgefühl: Im Streitfall stehen Ihnen immer noch die ordentlichen Gerichte zur Verfügung.
Bedenken Sie außerdem, dass ein Richter die Unangemessenheit einer Klausel in einem Verbrauchervertrag gegebenenfalls persönlich prüfen muss, selbst wenn der Verbraucher dies nicht geltend macht. Gehen Sie daher nicht davon aus, dass eine unhaltbare Klausel stillschweigend in Kraft bleibt.
Wie viel kostet ein Schiedsverfahren?
Eine häufig gestellte Frage ist, wie hoch die Kosten eines Schiedsverfahrens im Vergleich zu einem ordentlichen Gerichtsverfahren sind. Eine genaue Angabe ist nicht möglich, da die Kosten stark von der Schiedsinstitution, der Anzahl der Schiedsrichter und dem Umfang des Streitfalls abhängen. Es gibt jedoch einige Standardpunkte zu beachten:
- Grundsätzlich zahlt man vor einem staatlichen Gericht Gerichtsgebühren; bei einem Schiedsverfahren zahlt man zusätzlich die Gebühr des/der Schiedsrichter(s) und die Verwaltungskosten der Institution.
- Mehr Schiedsrichter oder ein spezialisiertes Schiedsrichtergremium bedeuten in der Regel höhere Kosten.
- Vertraulichkeit und Schnelligkeit können an anderer Stelle Kosten sparen, beispielsweise weil ein Projekt nicht unnötigerweise zum Stillstand kommt.
Wägen Sie daher die zu erwartenden Prozesskosten gegen die finanzielle Bedeutung des Streitfalls ab. Bei kleineren Streitigkeiten kann ein Schiedsverfahren relativ teuer sein; bei großen, technischen Projekten hingegen kann der Mehrwert die Kosten überwiegen.
Wann ist eine Schiedsklausel in Ihrem Dokument sinnvoll?
Eine Schiedsklausel sollte nur dann aufgenommen werden, wenn ein Schiedsverfahren tatsächlich den Wünschen der Parteien oder wenn die Vorteile die Nachteile deutlich überwiegen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn:
- Zur Beurteilung des Streitfalls ist umfassendes technisches Fachwissen erforderlich
- Die Parteien wünschen sich bewusst eine kurze Bearbeitungszeit ;
- Es handelt sich um eine Vereinbarung zwischen professionellen Parteien (B2B), bei der der Verbraucherschutz keine Rolle spielt.
Es kann ratsam sein, den Grund für die Schiedsklausel explizit anzugeben. Dadurch wird die bewusste Entscheidung der Parteien sichtbar, was die Wirksamkeit der Klausel erhöhen kann. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob ein Schiedsverfahren in Ihrem Fall angebracht ist, sollten Sie vor dessen Aufnahme einen für Vertragsrecht .
Schritt-für-Schritt-Plan: Schiedsklausel einfügen
- Ermitteln Sie Ihren Vertragspartner. Handelt es sich um Verbraucher oder professionelle Parteien? Für Verbraucher gelten strengere Anforderungen.
- Wägen Sie den Mehrwert ab. Sind technisches Fachwissen, Geschwindigkeit oder Vertraulichkeit bei dieser Art von Streitigkeit wirklich ausschlaggebend?
- Gewähren Sie den Verbrauchern eine Wahlfrist. Geben Sie dem Verbraucher mindestens einen Monat Zeit, um sich noch für den ordentlichen Gerichtsweg zu entscheiden.
- Halten Sie die Begründung fest. Geben Sie in oder neben der Klausel an, warum ein Schiedsverfahren gewählt wurde.
- Lassen Sie die Klausel prüfen. Ein Rechtsexperte beurteilt, ob die Klausel mit Ihrer Vereinbarung und der geltenden Rechtsprechung übereinstimmt.
Häufig gestellte Fragen zur Schiedsklausel
Worin besteht der Unterschied zwischen einem Schiedsverfahren und einem ordentlichen Gerichtsverfahren?
Vor einem ordentlichen Gericht entscheidet ein Richter über den Streit; in einem Schiedsverfahren tun dies ein oder mehrere (oft spezialisierte) Schiedsrichter. Schiedsverfahren finden in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und können schneller und inhaltlich fundierter sein, sind aber oft auch teurer und bieten weniger Möglichkeiten, die Entscheidung anzufechten.
Ist eine Schiedsklausel immer gültig?
Nein. Zwischen professionellen Parteien ist eine Schiedsklausel in der Regel rechtsgültig, gegenüber Verbrauchern kann sie jedoch als unangemessen belastend und daher anfechtbar angesehen werden. Es wird im Einzelfall geprüft, ob die Klausel den Rechtsschutz der anderen Partei unangemessen einschränkt.
Kann ich eine Schiedsklausel in meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufnehmen?
Das ist möglich, erfordert aber sorgfältige Überlegung. Insbesondere im Umgang mit Verbrauchern besteht das Risiko, dass die Klausel ungültig wird, wenn keine Frist für alternative Gerichtsstände festgelegt wird. Daher sollten Text und Begründung sorgfältig formuliert werden, damit die Klausel dem Charakter Ihrer Vereinbarungen und Ihrem Vertragspartner entspricht.
Gilt die einmonatige Wahlfrist auch für Unternehmer?
Nein. Die Regel, dass Verbrauchern mindestens ein Monat Zeit eingeräumt werden muss, um den ordentlichen Rechtsweg zu beschreiten, schützt insbesondere Verbraucher. Diese Regelung zur schwarzen Liste gilt nicht zwischen professionellen Parteien; in diesem Fall wird die Klausel anhand allgemeiner Standards bewertet.
Was geschieht, wenn eine Schiedsklausel für ungültig erklärt wird?
Wird die Klausel für ungültig erklärt, erlischt die Vereinbarung zur Durchführung eines Schiedsverfahrens, und das ordentliche Gericht ist zuständig. Sie verlieren dann den beabsichtigten Vorteil des Schiedsverfahrens und müssen möglicherweise mit zusätzlichen Kosten und Verzögerungen rechnen.
Ist ein Schiedsspruch bindend und vollstreckbar?
Ein Schiedsspruch ist grundsätzlich für die Parteien bindend. Soll er vollstreckt werden, während die andere Partei nicht kooperiert, ist in der Regel ein gesondertes Verfahren vor den ordentlichen Gerichten erforderlich. Die Möglichkeiten, den Schiedsspruch inhaltlich anzufechten, sind begrenzt.
Gilt eine Schiedsklausel auch dann, wenn die andere Partei den Vertrag nicht gelesen hat?
Die Klausel muss auf rechtswirksame Weise vereinbart worden sein. Insbesondere bei Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten Regeln hinsichtlich der Art und Weise ihrer Übermittlung. Wurde dies nicht ordnungsgemäß durchgeführt, kann die andere Partei die Klausel unter Umständen für ungültig erklären. Eine sorgfältige Dokumentation ist daher wichtig.
Lassen Sie eine Schiedsklausel entwerfen oder überprüfen
Möchten Sie eine Schiedsklausel in einen Vertrag oder Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufnehmen? MKB Juristen prüft zunächst, ob ein Schiedsverfahren in Ihrer Situation sinnvoll und praktikabel ist. Denn eine leicht angreifbare Klausel ist wertlos. Sollte die Klausel Erfolgsaussichten haben, formulieren wir sie für Sie und berücksichtigen dabei die einschlägige Rechtsprechung, um unnötige Angreifbarkeit zu vermeiden.
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