Kürzlich wurde bekannt, dass die SRA, der Dachverband zahlreicher Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, jahrelang Fehler in ihren eigenen Jahresabschlüssen gemacht hatte. Dies beruhte angeblich auf einer fehlerhaften Vertragsauslegung. Einerseits zeigt dies, dass Fehler menschlich sind, andererseits beweist es aber auch, dass Wirtschaftsprüfer keine Juristen sind. In der Praxis liefern sie daher – genau wie Buchhalter – recht häufig fehlerhafte Verträge aus. Auch wir bei MKB Juristen haben dies schon oft erlebt.
Verträge und Geschäftsbedingungen werden individuell angefertigt
Ein Buchhalter ist ein Alleskönner und erstellt neben Verträgen auch Allgemeine Geschäftsbedingungen oder sogar DSGVO-Klauseln. Diese basieren oft auf angepassten Vorlagen. Hier liegt bereits ein erstes Risiko. Der Vorteil solcher Vorlagen ist selten. Denn Allgemeine Geschäftsbedingungen müssen optimal auf die praktischen Geschäftsprozesse abgestimmt sein. Nicht nur, weil sie sich dann leichter umsetzen lassen, sondern auch, weil sie dem Unternehmer optimalen Schutz bieten.
Nehmen wir beispielsweise eine Klausel über höhere Gewalt. Eine solche Standardklausel regelt selten die Folgen eines Ereignisses höherer Gewalt, sondern bezieht sich in der Regel lediglich auf eine vorübergehende Aussetzung. Was aber ist beispielsweise mit einem Verkäufer, der aufgrund eines russischen Boykotts kein Baltika-Bier mehr liefern kann? Muss der Lieferant auch zwei Jahre nach Aufhebung des Boykotts noch liefern? Und was, wenn der Preis für dieses Baltika-Bier seitdem exponentiell gestiegen ist? Dies ist nur ein einfaches Beispiel dafür, wie eine Standardklausel zu problematischen Situationen führen kann.
Ein Buchhalter ist kein Anwalt
Ein Steueranwalt kann zwar in der Regel Buchhaltungsberatung anbieten, doch das trifft auf die meisten Juristen nicht zu. Bei Buchhaltern und Steuerberatern ist es genau umgekehrt: Bei Weitem nicht alle von ihnen sind Rechtsspezialisten. Erst recht nicht in Nischenbereichen wie Arbeitsrecht oder Haftungsrecht. Selbst nach einer soliden Ausbildung sollten sie eine kritische Haltung einnehmen: Die Rechtswelt ist durch neue Gesetze und sich ändernde Rechtsprechung einem ständigen Wandel unterworfen.
Versuchen Sie beispielsweise einmal, einen Steuerberater zu finden, der Ihre Website DSGVO-konform gestalten kann. Unmöglich? Warum sollten Sie dann einen Steuerberater mit der Erstellung Ihrer wichtigsten Verträge beauftragen? Zweifellos kann ein Steuerberater Ihre Zahlungsbedingungen aufsetzen. Geht es jedoch um die Regelung Ihrer Haftung, verbraucherrechtliche Bestimmungen oder andere spezifische Angelegenheiten wie die Verpfändung von Vermögenswerten, ist ein Rechtsanwalt erforderlich.
Was viele Buchhalter nicht wissen: Sie können letztendlich für die Erstellung fehlerhafter Verträge oder Rechtsdokumente haftbar gemacht werden. Für solche Ansprüche sind sie nicht versichert.
Wählen Sie sichere, maßgeschneiderte Verträge
Wir appellieren seit Langem an Buchhalter und Steuerberater, keine Verträge oder Dokumente auszustellen
Nutzen Sie selbst (Standard-)Arbeitsverträge oder Allgemeine Geschäftsbedingungen, die Sie von Ihrem Buchhalter oder Steuerberater erhalten haben? Falls ja, sollten Sie diese zumindest überprüfen lassen. Wir von MKB Juristen können oft rechtzeitig eingreifen, müssen aber manchmal auch Korrekturmaßnahmen ergreifen. Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen.
Denian Wielhouwer, CEO MKB Juristen