Rechtsangelegenheiten

Ein (un)erfolgreicher Einspruch auf höhere Gewalt macht einen enormen Unterschied

Höhere Gewalt ist ein juristischer Begriff, der Anwendung findet, wenn eine Partei unvorhergesehene Umstände geltend macht, die sie an der Erfüllung ihrer Verpflichtungen hindern. Sie kann für Unternehmer und Privatpersonen, die von externen Faktoren betroffen sind, eine wichtige Ausrede darstellen.

Veröffentlicht am 26. November 2024 von MKBjuristen.nl
Vereinbaren Sie ein kostenloses Beratungsgespräch. Rufen Sie 085 25000 44 an.

Höhere Gewalt ist ein Rechtsbegriff, der Anwendung findet, wenn sich eine Partei auf unvorhergesehene Umstände beruft, die sie an der Erfüllung ihrer Verpflichtungen hindern. Sie kann für Unternehmer und Privatpersonen, die aufgrund externer Faktoren vorübergehend nicht in der Lage sind, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen, eine wichtige Ausrede darstellen. Eine erfolgreiche Berufung auf höhere Gewalt bietet Schutz vor Haftung, sofern die unvorhergesehene Situation außerhalb des Verschuldens und Einflussbereichs der betroffenen Partei liegt. Dies kann beispielsweise bei Naturkatastrophen, Krieg oder anderen schwerwiegenden Ereignissen der Fall sein.

Der Richter wird über die höhere Gewalt entscheiden

Das Gericht wendet bei der Beurteilung höherer Gewalt einen strengen Maßstab an. Die Kernfrage ist, ob die Situation tatsächlich außerhalb des Einflussbereichs der betroffenen Partei liegt und ob diese Partei zumutbarerweise alles Mögliche unternommen hat, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dabei werden nicht nur die Umstände selbst, sondern auch die Möglichkeit ihrer Vermeidung berücksichtigt. Die Richter prüfen zudem, ob die betreffende Partei mögliche Probleme vor Eintritt der Notlage hätte vorhersehen können. Dass die Richter streng vorgehen, zeigen die beiden nachfolgenden Beispiele.

Unfähigkeit, ein Bankkonto zu eröffnen: keine höhere Gewalt

In einem kürzlich verhandelten Fall (ECLI:NL:RBROT:2024:9793), in dem sich die Mieterin von Gewerberäumen auf höhere Gewalt berief, wies das Gericht diese Berufung zurück. Die Mieterin hatte Zahlungsrückstände angehäuft und argumentierte, dass ein Geldtransfer aus Libyen aufgrund der geltenden EU-Sanktionen nicht möglich sei. Sie gab an, kein Bankkonto in den Niederlanden eröffnen zu können und dass das Geld auf ihrem Konto in Libyen gebunden sei. Das Gericht urteilte jedoch, dass es in der Verantwortung der Mieterin liege, die Erfüllung ihrer finanziellen Verpflichtungen sicherzustellen. Die Unfähigkeit, ein Bankkonto zu eröffnen, werde als von der Mieterin getragenes Risiko angesehen. Folglich konnte sich die Mieterin nicht erfolgreich auf höhere Gewalt berufen.

Keine höhere Gewalt im Falle streikender Zeitarbeiter

Ein weiteres Beispiel für die Ablehnung des Einwands höherer Gewalt stammt aus einem Fall (ECLI:NL:GHARL:2016:7556), in dem eine Zeitarbeitsfirma einem Fleischgroßhändler keine Zeitarbeiter mehr zur Verfügung stellen konnte. Grund dafür war ein Streik der Zeitarbeiter. Auslöser des Streiks waren Unruhen, nachdem die Zeitarbeiter von den Plänen des Fleischgroßhändlers erfahren hatten, die teureren Arbeitskräfte schrittweise abzubauen. Der Richter urteilte, dass die Zeitarbeitsfirma selbst für die Unruhen verantwortlich sei, da sie die Zeitarbeiter zu früh über die möglichen Änderungen beim Fleischgroßhändler informiert hatte. Da die Firma die Unruhen selbst verursacht hatte, entschied der Richter, dass keine höhere Gewalt vorlag. Die Firma war daher weiterhin verpflichtet, ihren Lieferverpflichtungen nachzukommen.

Erfolgreiche Geltendmachung höherer Gewalt

Höhere Gewalt kann zwar in bestimmten Fällen einen Ausweg bieten, die Rechtsprechung zeigt jedoch, dass ihre Geltendmachung nicht ohne Weiteres gewährt wird. Unternehmen, die unvorhergesehenen Ereignissen vorbeugen möchten, können daher eine Klausel zu höherer Gewalt in ihre Verträge aufnehmen. Diese Klausel kann die Umstände, unter denen sich eine Partei auf höhere Gewalt berufen kann, konkret beschreiben, beispielsweise im Falle einer Pandemie, eines Krieges oder anderer extremer Situationen. Die Formulierung einer solchen Klausel schafft Klarheit für beide Parteien und kann Unternehmer vor unerwarteten Risiken schützen. Dennoch ist es auch mit dieser Klausel unerlässlich, wachsam zu bleiben und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

Bitte beachten Sie: Ein Artikel bietet allgemeine Informationen, Ihre rechtliche Situation kann jedoch anders aussehen.

Ein Vertrag, ein Konflikt oder ein rechtliches Risiko muss stets anhand der Fakten, Dokumente, Beweislage und Interessen beurteilt werden. Sind Sie unsicher? Lassen Sie Ihre Situation prüfen, bevor Sie handeln.

Rechtliche Frage zu diesem Artikel?

Wir unterstützen Unternehmer bei Vertragsangelegenheiten, Konflikten und speziellen Rechtsfragen. In einem kostenlosen Erstgespräch besprechen wir kurz, welcher Ansatz für Ihre Situation am besten geeignet ist.

von Verträgen Erstellung, Überprüfung und Änderung
Rechtliche Unterstützung Hilfe bei Konflikten und Streitigkeiten.
Fachliche Expertise : Spezialisierte Rechtsexperten und Anwälte.
Festpreise. Kostentransparenz im Voraus.

Neueste Artikel

3. Juni 2026

Mobiltelefone am Arbeitsplatz: Was ist angemessen?

Facebook, WhatsApp oder Spiele wie Pokémon Go: Ablenkungen am Arbeitsplatz nehmen immer mehr zu. Und genau da kommen oft die Handys ins Spiel...

3. Juni 2026

Ein Inkassobüro beauftragen: So geht's in 5 Schritten

Sie möchten ein Inkassobüro beauftragen, weil ein Kunde nicht zahlt? Lesen Sie unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wann ist das sinnvoll? Was kostet es? Und was müssen Sie als Erstes tun?.

3. Juni 2026

Erstellung einer Aktionärsvereinbarung: Schritt-für-Schritt-Anleitung und Fallstricke

Sie möchten einen Gesellschaftervertrag für Ihre BV aufsetzen? Lesen Sie die Schritt-für-Schritt-Anleitung, erfahren Sie, welche Klauseln entscheidend sind und warum die Beauftragung eines Anwalts in der Regel die klügste Investition ist.

3. Juni 2026

DSGVO-Konformität für KMU: Ein praktischer Leitfaden für Unternehmer im Jahr 2026

Wussten Sie, dass die Anzahl der Meldungen über Datenschutzverletzungen in Europa bis 2025 um sage und schreibe 22 % auf durchschnittlich 443 Meldungen pro Tag gestiegen ist?.

  • Wir arbeiteten unter anderem für:
  • MKBjuristen.nl Partner
  • MKBjuristen.nl Partner
  • MKBjuristen.nl Partner
  • MKBjuristen.nl Partner
Newsletter für Unternehmer

Erhalten Sie praktische Rechtstipps per E-Mail

Jetzt registrieren

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein und erhalten Sie unseren Newsletter.

Kein Spam. Nur Rechtstipps.
Mit Ihrer Registrierung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung.
KMU-Anwälte bei der Handelskammer Quelle: Handelskammer 2019
Kostenlose Beratung