Die Durchsetzung des Gesetzes zur Deregulierung der Beurteilung von Beschäftigungsverhältnissen (DBA-Gesetz) hat weitreichende Folgen für selbstständige IT-Fachkräfte und ihre Kunden. Das Gesetz, das Scheinselbstständigkeit bekämpfen soll, führt dazu, dass viele freiberufliche IT-Fachkräfte Schwierigkeiten haben, Aufträge zu finden oder sogar ganz ohne Arbeit dastehen. Die Regelungen sollen fairen Wettbewerb und die Finanzierung der Sozialversicherung gewährleisten. Das sind nachvollziehbare Gründe, doch die Auswirkungen auf den IT-Sektor sind dennoch erheblich.
Das DBA-Gesetz: eine kurze Zusammenfassung
Das DBA-Gesetz, das die Erklärung über das Beschäftigungsverhältnis (VAR) ersetzte, verfolgt ein wichtiges Ziel: von Scheinselbstständigkeit . Das bedeutet, dass freiberufliche Fachkräfte, die faktisch wie Angestellte arbeiten – mit geringer Autonomie und starker Einbindung in das Unternehmen –, nicht mehr als freie Mitarbeiter engagiert werden dürfen. Arbeitgeber und Auftraggeber sind verpflichtet zu prüfen, ob ein Auftragnehmer tatsächlich freiberuflich tätig ist. Dies geschieht unter anderem durch die Untersuchung des Grades der Selbstständigkeit, der Managementmethoden und der Arbeitsorganisation. In der Praxis erweist sich dies jedoch als Grauzone. Folglich herrscht derzeit Unsicherheit sowohl bei freiberuflichen IT-Fachkräften als auch bei ihren Kunden.
Der IKT-Sektor ist stark vom DBA-Gesetz betroffen
Der IKT-Sektor scheint einer der am stärksten von der Durchsetzung des DBA-Gesetzes. Dies geht aus einer Studie der Vereniging ZZP Nederland hervor. Mehr als 3.100 Befragte nahmen an der Studie teil. Ganze 59 % der selbstständigen IKT-Fachkräfte gaben an, negative Folgen durch die Strafverfolgung zu spüren. Für viele Auftraggeber sind die Komplexität und das Risiko von Bußgeldern und Steuernachzahlungen Grund genug, weniger oder gar keine selbstständigen Fachkräfte mehr zu beauftragen. Besonders besorgniserregend ist der vollständige Verlust von Aufträgen. Während durchschnittlich 14 % der Selbstständigen angeben, aufgrund des DBA-Gesetzes keine Aufträge mehr zu erhalten, liegt dieser Anteil im IKT-Sektor bei 18 %. Darüber hinaus geben 64 % der IKT-Fachkräfte an, von einigen Auftraggebern keine Aufträge mehr zu erhalten. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Unternehmen zunehmend zögern, selbstständige Fachkräfte zu beauftragen.
Vermittlungsagenturen als Lösung?
Eine mögliche Lösung für IT-Fachkräfte, die mit dem DBA-Gesetz zu kämpfen haben, ist die Zusammenarbeit mit einer Personalvermittlungsagentur. Diese Agenturen übernehmen die Rolle des Arbeitgebers und bieten einen Arbeitsvertrag an, wodurch der Freelancer quasi als abgeordneter Mitarbeiter . Dies reduziert zwar die Risiken für die Auftraggeber, ist aber nicht für alle die optimale Lösung. Viele Freelancer möchten ihre Unabhängigkeit bewahren oder befürchten hohe Kosten. Ganze 38 % der IT-Freelancer geben an, auf keinen Fall über eine Personalvermittlungsagentur arbeiten zu wollen. Nur 50 % wären dazu bereit, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe. Sie bemängeln, dass dies ihre Unabhängigkeit stark einschränkt, oft mit niedrigeren Honoraren einhergeht und zu weniger Flexibilität führt.
Zukunftsperspektiven: Chancen nach einem guten Gespräch
Obwohl die Zahlen besorgniserregend sind, zeigen Studien, dass ein offenes Gespräch mit dem Kunden in vielen Fällen zu einer praktikablen Lösung führt. Von den selbstständigen IT-Fachkräften, die das DBA-Gesetz mit ihren Kunden besprochen haben, konnten 83 % ihren Auftrag behalten. Dies belegt, dass die Gesetzgebung weiterhin Möglichkeiten bietet, freiberuflich tätig zu bleiben, sofern das Beschäftigungsverhältnis eindeutig die Kriterien für eine selbstständige Tätigkeit erfüllt. Auch aktuelle Urteile des Obersten Gerichtshofs bieten hierzu neue Perspektiven. Das höchste Gericht hat betont, dass Unternehmertum ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung von Beschäftigungsverhältnissen ist. Selbst wenn ein Selbstständiger in ein Unternehmen eingebunden ist, kann dennoch eine selbstständige Tätigkeit vorliegen.
Besprechen Sie die Situation mit MKB Juristen
Anders ausgedrückt: Die Folgen des DBA-Gesetzes sind weitreichend für Selbstständige und ihre Auftraggeber. Dies gilt es zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist jedoch festzuhalten: Die Zusammenarbeit mit IT-Freelancern ist auch zukünftig möglich. Wichtig ist dabei, die Art der Zusammenarbeit im Vorfeld klar zu regeln. Dies gelingt durch gut formulierte Verträge, die nicht nur den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, sondern auch die Unabhängigkeit des Freelancers wahren. Ein spezialisierter Rechtsexperte kann Sie bei der Prüfung bestehender Vereinbarungen, der Erstellung neuer Verträge und der Beratung zur optimalen Vorgehensweise im rechtlichen Rahmen unterstützen. Möchten Sie sichergehen, dass Ihre Zusammenarbeit den Bestimmungen des DBA-Gesetzes entspricht? Dann kontaktieren Sie MKB Juristen und besprechen Sie Ihre Situation mit einem unserer Experten.